Arbeitsgemeinschaft Alt Hochheim wurde 75 Jahre alt 13.08.2012 - HOCHHEIM Von Falk Ruckes Als im Jahr 1911 der junge Amtsrichter Otto Schwabe von Frankfurt nach Hochheim wechselte, wollte der seit seiner Jugend an Geschichte interessierte Hobby-Historiker unbedingt mehr über die Vergangenheit seiner neuen Heimat erfahren. Schnell sprach sich rum, dass der neue Amtsrichter Bauern und Kindern ein paar Reichsmark zahlte, wenn sie ihm Funde aus der gesamten Gemarkung brachten. Nach einiger Zeit kam eine ansehnliche Sammlung zahlreicher Bodenfunde aus allen erdenklichen historischen Epochen zusammen, die Schwabe im Amtsgericht ausstellte. Außerdem trug er alte Bücher und Schriften zusammen, wandte sich gegen den Abriss alter Häuser, ließ mündliche Anekdoten schriftlich aufzeichnen und hielt öffentliche Vorträge zu heimatgeschichtlichen Themen. Das Interesse unter den Hochheimern an Schwabes historischer Tätigkeit war so groß, dass sich aus seiner Arbeit am 10. Oktober 1937 die Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim gründete. Der Verein ist seit dieser Zeit daran interessiert, das Wissen über die Geschichte Hochheims zu erweitern. Am Wochenende feierte er im historischen Ambiente des Domänenhofes sein 75-jähriges Bestehen. Heutzutage gehören Ausflüge zu Weltkulturerbestätten genauso zum regelmäßigen Programm wie monatliche Vorträge und Grabungen. Dabei wird eng mit dem Landesamt für Denkmalschutz zusammengearbeitet. „Wenn sich nicht darum gekümmert wird, Altes zu erhalten oder zumindest zu dokumentieren, drohen viele Dinge einfach aus dem Gedächtnis zu verschwinden“, mahnt Udo Möller vom Vorstand des Vereins. „Ohne das Wissen um die Vergangenheit kann aber die Gestaltung der Zukunft nicht gelingen.“ Und die zu bewahrende Vergangenheit ist sehr reichhaltig: Eines der bedeutendsten Stücke, die je gefunden wurden, ist sicherlich der mehrere Tausend Jahre alte „Keltenspiegel“. Diese von keltischen Fürstinnen verwendeten Spiegel sind äußerst selten - europaweit existieren nur wenige Exemplare. Der Verein war auch an Keramikfunden aus der Steinzeit beteiligt. Siedlung in der Steinzeit? „Leider wissen wir nicht, ob es sich hier um eine feste Siedlung gehandelt hat oder unsere urzeitlichen Vorfahren nur durch das Hochheimer Gebiet zogen“, so Möller. Weit mehr konnten die Geschichtsliebhaber über die Römerzeit herausfinden: Ungefähr um das Jahr 300 gab es gleich mehrere römische Feldlager im näheren Umkreis von Hochheim. Vermutlich dienten sie als Vorverteidigungslinie für die Mainzer Garnison. Während aus der Zeit Karls des Großen nur wenige Grabbeigaben wie Fibeln und Schwerter erhalten sind, wurden ganze Kanonenkugeln und Flintsteine aus napoleonischer Zeit gefunden - vermutlich von der „Schlacht am Kippel“ im Jahr 1813, als die alliierten Truppen Europas die Franzosen bei Hochheim über den Rhein zurückdrängten. Ein ganz besonderes Geschenk machte der Verein noch der Gemeinde zum Jubiläum: Die Hobbyhistoriker spendierten die Restauration eines 500 Jahren alten Bildstocks, des ältesten im gesamten Main-Taunus-Kreis. (Bericht aus der Allgemeinen Zeitung anläßlich des SOMMERFESTES im Domänenhof/Zehntscheuer am 11./12. August)
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