Die Landwehr von Karl-Heinz Kues

Der Kasteler Geschichtsforscher Karl-Heinz Kues berichtete am 19.11.2024 bei der AAH über die Mainzer Landwehr und die Erbenheimer Warte

Wer sich an diesem Dienstag, 19.11.2024 wegen des leichten Nieselregens nicht auf den Weg zur AAH beim Weingut Weilbächer gemacht hatte, verpasste einen historischen Ausflug rund um die Mainzer Landwehr. Karl-Heinz Kues, Vorsitzender der Gesellschaft für Heimatgeschichte Kastel  e.V. nahm die knapp 50 Gäste in seinem Vortrag außerdem noch mit zur Erbenheimer Warte und zum Fort Biehler. 

Der Landwehrweg zur Wiesenmühle ist heute keine Grenzbefestigung mehr

Nach 1484 (zufälligerweise auch das Jahr der kaiserlichen Erlaubnis für den Hochheimer Markt) wollte sich das Mainzer Kurfürstentum gegen die „diebischen Bewohner des Taunus“ und besonders der Eppsteiner Raubritter mit einer Grenzbefestigung zu schützen. Die Landwehr war eine lebende bis zu 10 Meter breite fast undurchdringliche Mauer aus miteinander verflochtenen Hain- und Rotbuchen und dazwischen gepflanztem Dornengestrüpp. Wenn ein Eindringling dieses „Gebück“ mit erheblichem Aufwand durchdrungen hatte, erwartete ihn dann ein breiter Wassergraben und anschließend einsehbares freies Feld. 

Diese Befestigung wurde von vier Warttürmen überwacht, die in Friedenszeiten auch als Zollstationen dienten. Die Mainzer oder auch Casteler Landwehr umschloss die Gemarkungen Kastel, Kostheim, Hochheim und Flörsheim. Außerhalb lagen Delkenheim, Massenheim und Wicker. Den Verlauf der nach 1770 und insbesondere nach der Säkularisation 1803 obsolet gewordenen Anlage kann man nordöstlich von Hochheim am Landwehrweg zwischen Deponie und Wiesenmühle erkunden.

Kultur in der Erbenheimer Warte

Von den vier Warttürmen, ist nur noch die Erbenheimer Warte am Fort Biehler erhalten. Die Mosbacher Warte, sie stand am heutigen Wiesbadener Ostbahnhof und die Hochheimer Warte an der Rechtskurve der Landstraße nach Delkenheim wurden 1799 von französischen Truppen gesprengt. Die heutige Wickerer Warte in Flörsheim  wurde 1996 in der Nähe des 1817 abgerissenen Originals auf dem Geisberg errichtet. Die Warttürme trugen immer die Namen der nächstgelegenen Ortschaft, auch wenn sie auf einer anderen Gemarkung standen. Die Erbenheimer Warte auf Kasteler Gebiet wurde 1497 errichtet und ist somit weit über 500 Jahre alt. Die letzte Renovierung des 23 Meter in der Höhe und 7,34 Meter im Durchmesser messenden Turmes erfolgte ab 2015. Wenn das aktuell noch ausstehende Brandschutz Gutachten vorliegt, hofft Karl-Heinz Kues wieder Besichtigungen und kulturelle Veranstaltungen anbieten zu können, wie es schon in den 2000er Jahren der Fall war.

Kanalisation in der Siedlung Am Fort Biehler ab 1980

Die angrenzende Siedlung für heute knapp 250 Kasteler entstand ab 1932 als Siedlung für Erwerbslose der Stadt Mainz. Die Menschen errichteten die Rohbauten für 20 Doppelhaushälften aus den Steinen des unweit gelegenen militärischen Forts, die danach an die künftigen Bewohner verlost wurden. Die kleinen Häuschen mit 43 qm Wohn- und noch 40 qm Kellerfläche bekamen zwar Wasseranschlüsse aber erst um 1980 Kanalisation. Elektrischen Strom gab es ab 1934 und 1950 wurde eine Busverbindung zum Kasteler Bahnhof eingerichtet. Die ab 1945 zunächst in den Katakomben des ursprünglichen Fort Biehler untergebrachten Flüchtlinge sind heute in die lebendige Siedlergemeinschaft dieses beschaulichen Fleckens integriert.

Eine geheimnisvolles unterirdisches Militärgeheimnis

Das alte Fort, benannt nach seinem Planer, dem Chef des preußischen Ingenieurkorps Hans Alexis von Biehler  wurde 1880 bis 1884 als letzter Teil der Festung Mainz erbaut. Damit man es nicht schon von weitem sehen konnte, ragte das 316 mal 216 Meter messende Fort zweistöckig unter die Erde. Es bot Platz für bis zu 900 Soldaten. Allerdings konnte es seine Aufgabe wegen der aufgekommenen Sprenggranaten nur noch bedingt wahrnehmen. Nach dem ersten Weltkrieg musste das Fort entfestigt werden und Dyckerhoff kaufte das Gelände. Die Stadt Mainz erhielt die Ruine und lies aus einem Teil der Steine die heutige Siedlung bauen. Das Waldgelände ist nicht zugänglich, es dient dem Katastrophenschutz bereits seit 1956 als Übungsgelände. Die wenigsten Kasteler wissen um dieses geheimnisvolle unterirdische Relikt der  Mainzer Militärgeschichte.

Nach einer kurzen Fragerunde dankte der Vorsitzende der AAH dem Referenten Karl-Heinz Kues für den kurzweiligen Vortrag und wies auf den adventlichen Abend am 10.12.2024 im Klosterhof hin.