
Als erstes „Objekt des Monats“ erscheint bei AAH – ungewöhnlicherweise – ein Loch (Foto 1). „Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist“, erklärt Kurt Tucholsky. Tatsächlich geht es uns beim Objekt des Monats aber auch um das, was am Rand des Lochs nicht mehr da ist.
Beim Spaziergang durch die Wintergasse (schon so oft daran vorbeigelaufen, aber nie gesehen…) entdeckten Klaus Umstätter und Gabi Nick im vergangenen Jahr neben dem Hauseingang der Wintergasse Nr. 4 E besagtes Loch: es ist rechts neben der Treppe mit der barocken Tür kurz über Bodenhöhe in der Mauer eingelassen (Foto 2). Wozu diente dieses „Loch“?

Des Rätsels Lösung findet sich an einem anderen Haus in der Altstadt: auf den Stufen der Treppe zum Pfarrhaus (Hintergasse 32, Foto 3 u.4). Dort sind noch auf beiden Seiten der Sandsteinstufe metallene Schuhabstreifer (oder Schuhabkratzer, Scharreisen o.ä.) eingelassen. Damit konnten sich Besucher vor Betreten des Hauses den Schlamm, Mist, Schnee oder anderen Schmutz, mit dem in früheren Zeiten die Schuhe und Stiefel verdreckt waren, abstreifen.



Entweder waren Schuhabstreifer auf einer Stufe der Haustür angebracht (wie beim Hochheimer Pfarrhaus), oder vor einer kleinen Nische neben dem Hauseingang in der Mauer des Hauses (wie beispielhaft hier auf Fotos 5 u. 6 zu sehen). In der Wintergasse 4 E fehlt heute der metallene Schuhabstreifer, der vor der Nische in den Boden eingelassen war (oder mit der Mauer verbunden, das lässt sich heute kaum noch mit Sicherheit rekonstruieren).

Die Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim freut sich über diese kleine Entdeckung in unserer Altstadt. Wem noch mehr Schuhabstreifer in der Altstadt bekannt sind oder Geschichten dazu, kann sie gerne mit uns teilen: info@alt-hochheim.de(oder auf facebook).
Dr. Gabi Nick
