Onkel Amtsrichter“ und „Tante Elsa“ – Neue Erinnerungen an Otto Schwabe

Auf den Aufruf in der Hochheimer Zeitung vom 25. Juli 2025 meldete sich Irmgard Dries geb. Kopp, die der Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim interessante Einblicke in das Privatleben von Amtsrichter Otto Schwabe und in die Bilder seiner ersten Ehefrau, der Malerin Else Luthmer, gab.

Die Familie Schwabe wohnte im Obergeschoss des Schlösschens zwischen dem Amtsgericht und St. Peter und Paul. Nach der Scheidung von Else Luthmer im Jahr 1924 blieben die beiden Söhne Amtor und Wolfgang beim Vater. Bereits 1925 heiratete Schwabe erneut – Margarete („Gretel“) Petzold. Zum Haushalt gehörten zwei Bedienstete: eine Köchin und eine Putzhilfe.

Gemälde von Else Luthmer (Privatbesitz, Foto Udo Möller)

Die Köchin, Elsa Eberhardt, kam mit 19 Jahren in den Haushalt. Als Findelkind ohne eigene Familie blieb sie Schwabes bis zu ihrem Lebensende treu verbunden. Ihre Käsekuchen und Plätzchen waren legendär. Enge Freunde des Amtsrichters waren Valentin und Sofie Kopp, die Eltern von Frau Dries. Valentin galt als Schwabes unzertrennlicher Begleiter, Sofie wiederum war eng mit Elsa Eberhardt befreundet. Die Töchter der Kopps nannten die Köchin liebevoll „Tante Elsa“. Die ältere Tochter Irmgard sprach von „Onkel und Tante Amtsrichter“ – und wurde von der Familie wie eine eigene Tochter behandelt.

Gemälde von Else Luthmer (Privatbesitz, Foto Udo Möller)

Irmgard Dries erinnert sich noch lebhaft daran, wie sie im Alter von fünf oder sechs Jahren morgens dem „Onkel Amtsrichter“ das Frühstück ins Amtsgericht brachte. Auch die prächtige, mit rotem Teppich belegte Treppe im Inneren des Schlösschens ist ihr bis heute eindrucksvoll im Gedächtnis.

    Ein Foto von Otto Schwabe bei einem Vortrag an der Flörsheimer Warte, neben ihm Irmgard Kopp (Privatbesitz I. Dries)

Nach dem Tod von Otto Schwabe und der Zerstörung des Schlösschens 1945 zog Gretel Schwabe zunächst ins Haus gegenüber – das Aschrott’sche Weingut (heute „Weinegg“) – und später zur Familie Sommer in die Alleestraße. Dort wohnte auch Elsa Eberhardt, die weiterhin gelegentlich bei den Kopps aushalf und Irmgard, die nie den Kontakt zu ihr abreißen ließ, das Kochen beibrachte.

Grabstein des Ehepaars Schwabe und Elsa Eberhardt auf dem Alten Friedhof, Hochheim Foto © Gabi Nick

„Tante Amtsrichter“ wurde 102 Jahre alt, „Tante Elsa“ immerhin 90. Elsa Eberhardt wurde im Grab der Familie Schwabe auf dem Alten Friedhof Hochheim beigesetzt. Einige Gemälde von Else Luthmer, die in Elsa Eberhardts Besitz geblieben waren, vermachte sie testamentarisch Irmgard Dries. Gabi Nick und Udo Möller freuten sich, dass sie die Gelegenheit hatten, diese Bilder zu sehen und aus erster Hand Erinnerungen an den Gründer der Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim zu hören.

Else Luthmer_St. Peter u. Paul_Privatsammlung

(gn)