(23.9.2025) – Wie kommt man auf die Idee, sich mit einer fast vergessenen Rennbahn zu beschäftigen? Für Udo Möller gab es gleich mehrere Gründe: Schon als Kind fuhr er mit dem Fahrrad über die damals noch deutlich sichtbaren Reste der Opel-Rennbahn. Zudem war sein Onkel als sogenannter „Einfahrer“ bei Opel tätig und berichtete lebhaft von seinen Erlebnissen – nicht selten mit humorvollen Anekdoten.

Die Firma Opel begann ursprünglich nicht mit Automobilen, sondern mit der Herstellung von Nähmaschinen und Fahrrädern. Erst nach dem Tod des Gründers Adam Opel im Jahr 1899 wurde der erste Opel-Patent-Motorwagen gebaut. 1914 war Opel bereits größter Automobilhersteller Deutschlands mit einem Marktanteil von 40 Prozent. Jedes Fahrzeug musste damals eingefahren werden. Doch die Rüsselsheimer Bevölkerung beklagte zunehmend die rücksichtslosen Testfahrten in der Innenstadt. Auflagen des Landes Hessen führten schließlich zum Bau einer speziellen Einfahrstrecke: Auf einer Länge von 1.500 Metern entstand eine ovale Bahn aus Beton – 12 Meter breit, 32 Zentimeter stark und mit Kurvenüberhöhungen von bis zu 32 Grad.
Schon 1920, ein Jahr nach ihrer Fertigstellung, fand das erste Rennen statt. Zunächst traten Radfahrer an, später auch Motorräder und Autos. Bis zu 10.000 Zuschauer strömten zu den Veranstaltungen. Udo Möller präsentierte eindrucksvolle Fotos und Filmaufnahmen, die die Risiken für Fahrer und Publikum gleichermaßen verdeutlichten.
Anfang der 1930er Jahre wurde der Rennbetrieb eingestellt, da die Bahn den immer höheren Geschwindigkeiten moderner Fahrzeuge nicht mehr gewachsen war. Das Gelände ging in den Besitz der Stadt Mainz über, die in der Nähe ein Wasserwerk betreibt. Mit gezielten Aufforstungen versuchte man damals, die massive Betondecke zu sprengen – bis heute jedoch ohne Erfolg.
Auch heute noch lohnt sich ein Besuch: An der Straße zwischen Rüsselsheim und Trebur sind die Überreste der einst legendären Opel-Rennbahn zu besichtigen – ein außergewöhnliches Stück Automobilgeschichte.
