Otto Schwabe zum 150. Geburtstag

Am 14. Dezember 1875 wurde der Heimatforscher geboren. Zum Gedenken an unseren Heimatforscher hat Friederike Wiegand die Vita Otto Schwabes auch in seinem Privatleben beleuchtet

Else Luthmer: Ölbildnis des jungen Otto Schwabe, o. J., Öl auf Leinwand, 30×20 cm?, Otto-Schwabe-Museum Hochheim, ehemals im Besitz von Irmgard Dries. (Foto: unbekannt)

Otto Schwabe, Amtsrichter und Heimatforscher[1]

Otto Schwabe war Amtsrichter in Hochheim am Main und Sammler von historischen Fundstücken aus der Region, so dass das Heimatmuseum in Hochheim nach ihm Otto-Schwabe-Museum benannt wurde. Über ihn als Amtsrichter und besonders über seine Verdienste als Heimatforscher wurde bereits viel geschrieben. Über sein Privatleben ist allerdings wenig publik. Das soll im Folgenden nachgeholt werden.

Kindheit, Jugend und Ausbildung

Über seine frühen Jahre ist wenig bekannt. Ernst Otto Schwabe wurde am 14. Dezember 1875 in Meiningen (an der Werra in Thüringen) geboren. Seine Eltern waren Laura Fuchs und der Landwirt Emil Schwabe. Otto hatte einen älteren Bruder, Max Schwabe, der 1873 geboren wurde.[2] Seine Kindheit und Jugend verbrachte Otto in Meiningen. Vermutlich besuchte er dort das altsprachliche Gymnasium Bernhardinum in der Klostergasse. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft in Freiburg, Berlin und Marburg.[3]

Heirat und Kinder

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte Otto Schwabe als angehender Jurist das obligatorische erste Referendariat im Staatsdienst in der Deutschen Botschaft in Paris. Dort lernte er die Malerin Else Luthmer[4] kennen und lieben[5], die 1901 und 1902 in Paris Malerei studierte. Nach Paris wohnten beide in Frankfurt am Main, sie bei ihren Eltern in der Wolfgangstraße 153 und er in der Feldbergstraße 43. Die beiden heirateten in Frankfurt am 15. Februar 1907. Nach der Hochzeit zog das Ehepaar zusammen in eine größere Wohnung nach Frankfurt-Sachsenhausen in die Waidmannstraße 49. Otto absolvierte in Frankfurt von 1907 bis 1911 seine vierjährige Referendarzeit als Gerichtsassessor. Am 4. August 1907 wurde der erste Sohn Amtor geboren. Getauft wurde er nicht. Obwohl beide Eltern evangelisch waren, wollten sie die Religionszugehörigkeit für Ihren Sohn noch nicht festlegen. Drei Jahre später kam Wolfgang am 12. Oktober 1910 auf die Welt. Bei dem eigenartigen Namen Amtor hatte sich Otto Schwabe durchgesetzt. Seinen zweiten Sohn wollte er Storant nennen. Aber die Familie und der Standesbeamte widersetzten sich erfolgreich und so wurde Wolfgang Ferdinand daraus.

Das rote Haus

Das rote Haus, Weiherstraße 51 Ecke Jahnstraße. (Foto: Friederike Wiegand, 2025)

1911 wurde der Gerichtsassessor Otto Schwabe zum Amtsrichter befördert und nach Hochheim am Main versetzt. So zog die Familie nach Hochheim in die Weiherstraße 51 an der Ecke zur Jahnstraße. Da das Haus aus roten Backsteinen bestand, nannten sie es das rote Haus. Als Sohn eines Landwirtes kümmerte sich Otto Schwabe um den Garten. Seine Frau Else richtete sich in einem kleinen Gebäude, das im Garten stand, ein Atelier ein, in dem sie ihre Bilder ausstellte und wo die Familie auch Feste feierte. Wie Amtor Schwabe berichtet, hingen neben Elses eigenen Bildern zwei Gemälde der französischen Fauvisten, eines von Charles Camoin und eines von Maurice de Vlaminck[6]. Diese Bilder wurden später verkauft, um die jeweiligen Bauprojekte der Söhne mitzufinanzieren.[7] Otto Schwabe pachtete 1914 von seinem Nachbarn Karl Quink ein weiteres Gartenstück hinzu und baute dort Gemüse an.

Else Luthmer: Kopie des Bildes Flussszene von Vlaminck. Aus einstigem Besitz der Söhne von „Vlaminck“. Privatbesitz Thomas Schwabe, Frankfurt. (Foto: Archiv der Familie Schwabe, 2025)

Direkt gegenüber vom roten Haus lag damals ein Weiher mit Wiese, Fußballplatz und angrenzendem Wald. Alljährlich im Herbst fand dort der Hochheimer Markt statt.[8] Dieser ist heute noch ein großes Volksfest mit Ständen, Buden, Karussellen und Schiffschaukeln. Für die beiden Jungen war das jedes Jahr ein erfreuliches Ereignis. Auf der anderen Seite der Jahnstraße, gegenüber dem roten Haus, gab es den Turngarten.[9] Otto Schwabe meldete seine beiden Söhne in dem Turnverein an, um ihre körperliche und geistige Entwicklung zu fördern.

Das Schlösschen

Direkt neben der rotweißen, barocken, katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul (erbaut 1730–1732) steht das gelbe Schlösschen (erbaut 1764–1771) in der Kirchstraße 23. Das Schlösschen ist Teil eines Domdechaneihofes[10], was auf den früheren Besitzer hinweist, den Domdechanten von Mainz. Im 19. und 20. Jahrhundert beherbergte das Gebäude die Amtsrichter-Dienstwohnung. Ab 1912 wohnte hier der Amtsrichter Hiepe. Als er 1919 versetzt wurde, bezog die Familie Schwabe das Schlösschen. Die Dienstwohnung lag im ersten Stock, zu der eine doppelläufige, mit einem roten Teppich belegte Treppe hinaufführte. Zur Wohnung gehörten neun Wohnräume und zwei Küchen, darüber hinaus eine Gästetoilette und ein Gästezimmer. Dieses nutzte Else zeitweise als Atelier und um zu malen. Im Dachgeschoss lagen ein riesiger Speicher und ein Zimmer für die Haushälterin Elsa Eberhardt.[11] Else Luthmer hatte sie 1921 als 19-Jährige eingestellt.

Schlösschen und Kirche St. Peter und Paul von Süden gesehen. (Foto: Friederike Wiegand, 2025)
Else Luthmer: Kirche St. Peter und Paul und das Schlösschen, zwischen 1919 und 1922, Aquarell auf Papier, ca. 50×70 cm. (Foto: Udo Möller, 2025)
Die Straßenfront des Amtsgerichts in der Kirchstraße 21. (Foto: Friederike Wiegand, 2025)

Das Hochheimer Schlösschen heißt Schlösschen, weil hier ehemals eine Prinzessin wohnte. Das war die Prinzessin, Fürstin Caroline Friederike von Anhalt-Köthen (1777–1821)[12]. Sie wohnte von 1808 bis zu ihrem Tod im Schlösschen.

Amtsrichter

Als die Familie ins Schlösschen zog, arbeitete Otto Schwabe praktisch direkt nebenan. Seine Arbeitsstätte war das Amtsgericht in der Kirchstraße 21. Ursprünglich stand hier ein 1867 erbautes Gebäude, in dem neben einem sogenannten Probierhaus (für angehende Mönche zur Probe) das Amtsgericht und eine Oberschultheißenwohnung untergebracht waren. Als dann die ursprünglichen Räume zu klein geworden waren, riss man das Gebäude ab und baute 1910 bis 1912 ein neues Gerichtsgebäude zusammen mit einer Jugendarrestanstalt.[13] Als Richter erfuhr Otto Schwabe breite Zustimmung. Seine Urteilsfindung war von dem Gedanken der reinen und echten Wahrheitssuche beeinflusst, ohne Rücksicht auf die Persönlichkeit.[14]

Heimatforscher

Vor 1911 besuchte Otto Schwabe mit Frankfurter Heimatfreunden die Stadt Hochheim. Bereits da lockte ihn der Gedanke, sich mit der Hochheimer Geschichte zu beschäftigen. Die Tätigkeit im Amtsgericht beanspruchte ihn in der damaligen Zeit nicht allzu sehr. Auf Beförderungen, das heißt auf verschiedene Berufungen an Kollegialgerichte verzichtete er bewusst.[15] So begann er, die Vor- und Frühgeschichte von Hochheim und Umgebung am Untermain zu erforschen. Er führte Gespräche mit Bauern, Feldschutzbeamten, Feldvermessern, Grundstücksbesitzern, Kleingärtnern, Weinbergarbeitern, Spaziergängerinnen und Spaziergängern. Er ermunterte sie, ihn über Funde im Boden der Hochheimer Gemarkung zu informieren. Ausgrabung und Bergung übernahm er dann oft selbst. Anschließend untersuchte er die Fundstücke mit großer Sach- und Ortskenntnis, um sie möglichst genau zu bestimmen und zu datieren. Es folgten Aufsätze, Exkursionen, Zeitungsartikel und Vorträge, wodurch er die Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte.[16]

Otto Schwabe an der Flörsheimer Warte im Rahmen einer heimatkundlichen Exkursion. (Foto: Archiv der Familie Schwabe)

Aus der Nebenbeschäftigung wurde eine Passion. Der große Zuspruch der Hochheimer Bevölkerung veranlasste ihn, mit zunehmendem zeitlichem Aufwand, engagiert und mit Freude die Hochheimer Geschichte zu erkunden. Mit seiner freundlichen und zugewandten Art knüpfte er viele Kontakte zu den Mitbürgern von Hochheim. Die Menschen brachten ihm Achtung und große Bewunderung entgegen. Bis heute kennen viele Hochheimer Einwohnerinnen und Einwohner ihn weniger als Amtsrichter, sondern viel mehr als bedeutenden Heimatforscher.[17]

Hochheimer Keltenspiegel

Die Geschichte eines besonders bedeutenden Fundes ist genau erhalten. Am 27. Januar 1932 rodeten die Brüder Valentin und Josef Petry ein Obstbaumfeld, um einen neuen Weinberg anzulegen.[18] Das war in einem Weinberggebiet zwischen Hochheim und Flörsheim, etwa 2,5 km südöstlich von Hochheim, in der Gemarkung Am Falkenberg. In 70 cm Tiefe stieß Valentin Petry mit seiner zweizinkigen Hacke auf einen Bronzespiegel. Die Brüder brachten den Fund sofort zum Amtsrichter Otto Schwabe, der glücklicherweise den Wert des Spiegels erkannte.[19] Er ermittelte, dass der Spiegel von den Kelten aus der jüngeren vorrömischen Eisenzeit stammt, der sogenannten frühen Latènezeit, etwa von 450 v. Chr. bis 275 v. Chr.[20] Der Spiegel ist seit 2022 als Dauerleihgabe im Archäologischen Landesmuseum der Keltenwelt am Glauberg bei Glauburg im Wetteraukreis ausgestellt.[21]

Keltenspiegel, gefunden 1932 beim Anroden eines Weinbergs am Falkenberg bei Hochheim. (Foto einer Replik: Friederike Wiegand, 2025)

Amtor und Wolfgang

Amtor und Wolfgang gingen zunächst in die Volksschule in Hochheim in der Kirchstraße 42[22], direkt gegenüber dem Domdechaneihof gelegen. Danach besuchten sie das altsprachliche Dilthey-Gymnasium am Luisenplatz 10 in Wiesbaden[23]. Der Weg von Hochheim dorthin war mühsam, zunächst zu Fuß den Berg hinunter und dann mit der Bahn nach Wiesbaden. Nachmittags den gleichen Weg zurück. Amtor berichtet in seinen Erinnerungen, dass sein Vater von oben vom Schlösschen aus ihn einmal beim Heimweg beobachtete. Anscheinend trödelte Amtor, was seinem Vater missfiel. Deshalb befahl er seinem Sohn, noch einmal zum Bahnhof und zurück schneller zu laufen. Später kaufte Otto Schwabe den Jungen dann ein Fahrrad, was den Weg erleichterte.[24]

Beziehung zur Familie

Otto Schwabes Sohn Amtor erwähnt in seinen Lebenserinnerungen mit keinem Wort die eigentlich interessante Forschungstätigkeit seines Vaters.[25] Offensichtlich ergab es sich nie, dass Otto Schwabe seine Leidenschaft mit seinen Söhnen oder seiner Frau teilte. Überhaupt gab es vermutlich immer weniger, gemeinsame Aktivitäten wie Ausflüge, Reisen oder Gespräche. Ein Bericht von Amtor ist ein Beleg dafür. Als viele Jahre später Amtor 1933 sein Diplom als Architekt ablegte, waren die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt äußerst schwierig. Hier half ihm sein Vater zum ersten und einzigen Mal durch seine Beziehungen. Durch die Vermittlung seines Vaters erhielt Amtor eine Stelle als Regierungsbauführer beim Staatshochbauamt in Koblenz.[26]

Die Volksschule in Hochheim, Kirchstraße 42; heute Weinberg-Grundschule. (Foto: Friederike Wiegand, 2025)

Eheprobleme

In den 1920er Jahren wurde die Stimmung zwischen den Eheleuten Schwabe zunehmend angespannter. Vorstellbar ist, dass der Herr Amtsrichter nicht damit einverstanden gewesen wäre, wenn die Frau Amtsrichter sich mit einer Staffelei in die Weinberge gesetzt hätte, beziehungsweise dazu den Weg durch die Weiher- oder Kirchstraße mit dem Malkrempel genommen hätte. Vermutlich hat Otto erwartet, dass nach der Hochzeit seine Frau ihr Malhobby aufgibt, wie es einer Juristengattin angemessen gewesen wäre. Einmal hängte er im Gästezimmer, dem Atelier seiner Frau, die Ofentür aus, um zu verhindern, dass sie dort wegen der Kälte weiterhin malt.[27]

Amtor beschreibt ein Ereignis, das viel über das innere Verhältnis zwischen den Eltern aussagt: Else kam mit den beiden Söhnen aus einem Aufenthalt in Lindenfels[28] zurück. Als wir in Hochheim (zurück) waren, gab es irgendeinen Streit, und wir kehrten mit unserer Mutter sofort wieder um und fuhren zu unserer großen Freude wieder zurück nach Lindenfels. Otto hatte aus dem Ersten Weltkrieg eine Kriegsverletzung in Form einer Hochtonschwerhörigkeit[29]. Daraus erwuchsen wohl ein Misstrauen und ein eigenartiges Verhalten. Beispielsweise verbot er den Jungen, etwas von den Bauern anzunehmen.

Es ist immer schwierig, die Gründe für Eheprobleme eindeutig zu erfassen. Vielleicht spielte es eine Rolle, dass Elses Vater Ferdinand Luthmer 1921 starb. Er hatte seine Tochter immer sehr gefördert und unterstützt. Als dies wegfiel, wollte Else alleine ihre Selbständigkeit und ihre Fähigkeiten in den Vordergrund stellen. Ihr reichte es nicht, nur Mutter und Frau Amtsrichter zu sein. Sie wollte als eigenständige Künstlerin anerkannt werden. Und Otto Schwabe fand zunehmende Bestätigung als engagierter, kenntnisreicher Heimatforscher.[30] So drifteten die Interessen der Eheleute immer weiter auseinander.

Trennung

Else zog 1922 zusammen mit Sohn Wolfgang nach Frankfurt-Sachsenhausen in die Gartenstraße 95. Die Scheidung erfolgte am 19. Mai 1924 durch das Oberlandesgericht in Frankfurt am Main. Nun zog auch Sohn Amtor zur Mutter, und Else nahm ab dem 2. Juli 1925 offiziell wieder ihren Mädchennamen Luthmer an.

Else und Otto Schwabe haben nach ihrer Scheidung vermutlich keinen Kontakt mehr gehabt. So ist zu erklären, dass sie in Hochheim völlig unbekannt ist. Als ihr Sohn Amtor 1934 Hilde Horn heiratete, wurde die Feier mit Rücksicht auf seine Eltern auf zwei Tage verteilt. Zur standesamtlichen Trauung am Samstag (23. Juni 1934) kamen Otto mit seiner zweiten Frau Margarete Schwabe nach Gießen, und zur kirchlichen Trauung am Sonntag kamen Else und ihre Schwester Claire mit Ehemann Claus Mehs nach Bad Nauheim.[31]

Margarete und Otto Schwabe

Bereits im Februar 1923 war Margarete Petzold[32], eine Schwägerin von Otto Schwabe, ins Schlösschen eingezogen. Beide heirateten am 15. Oktober 1925 und Margarete gab ihren Beruf als Oberschwester auf, um Otto den Haushalt zu führen. Margarete und Otto hatten keine eigenen Kinder, pflegten aber guten Kontakt zu Ottos Söhnen aus erster Ehe und den Enkeln. Margarete war zunächst noch recht streng. Das verlor sich aber mit der Zeit und sie behandelte die Söhne und Enkel so liebevoll als wären es ihre eigenen Nachkommen.[33]

Arbeitsgemeinschaft und erstes Museum

1937 gründete Otto Schwabe die Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim. Die Mitglieder gaben ihre Kenntnisse um die Hochheimer Geschichte bei Vortragsabenden, heimatkundlichen Führungen und Wanderungen weiter und tauschten sich gegenseitig aus.[34] Otto Schwabes Ziel war es, das Wissen um die Vergangenheit Hochheims zu erweitern, dies bei den Bürgerinnen und Bürgern populär zu machen und sie zu weiteren Forschungen anzuregen.

Otto Schwabe richtete im Amtsgericht, im Flur vor dem Sitzungssaal des ersten Stocks, ein erstes Museum für die historischen Fundstücke ein. Die Gegenstände waren in Vitrinen chronologisch geordnet und mit Informationen versehen. Jeder, der im Amtsgericht zu tun hatte, konnte die Sammlung betrachten und studieren.[35] Am Ende von Otto Schwabes Leben umfasste der Fundbestand rund 700 Gegenstände. Das älteste Exponat seiner Sammlung war der Unterkiefer eines Wollnashorns aus der Steinzeit. Neben Bronzespangen, Geldmünzen, Schwertern, Tontöpfen und vielem mehr ist das Prunkstück heute noch der berühmte, bronzene Keltenspiegel.[36] Da Otto Schwabe 1943 starb, musste er nicht miterleben, wie 1945 in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs fremde Leute mutwillig und sinnlos Teile der Sammlung zerstörten. Glücklicherweise griffen der damalige Bürgermeister, Peter Hirschmann und Margarete Schwabe entschlossen ein und retteten viele Fundstücke.[37] Sie sorgten dafür, dass die Objekte anschließend im Wiesbadener Museum verwahrt wurden.

Lebensende

Otto Schwabe wusste schon länger, dass er schwer krank war. Er starb am 9. Januar 1943 im Alter von 68 Jahren zuhause im Schlösschen in der Kirchstraße 23, die in dieser Zeit des Nationalsozialismus Hermann-Göring-Straße hieß. Er wurde auf dem Alten Friedhof in Hochheim, Flörsheimer Straße 13–17, beerdigt. Seine Sammlung der Fundgegenstände der Hochheimer Vor- und Frühgeschichte vermachte er testamentarisch der Stadt Hochheim. Die Sammlung bildete den Grundstock für das nach ihm benannte Otto-Schwabe-Museum, das 1970 im damaligen Dalheimer Klosterhof in der Mainzer Straße 22 eröffnet wurde.[38] Nach mehreren Schließungen und Ortswechseln ist geplant (2025), das Otto-Schwabe-Museum am Ort der Alten Malzfabrik einzurichten[39] (Straße Alte Malzfabrik 1, neben dem Standort des Hochheimer Wochenmarktes).

Das Ehrengrab von Otto und Margarethe Schwabe. Auch die langjährige Haushälterin Elsa Eberhardt ist hier beerdigt. (Foto: Friederike Wiegand, 2025)

Margarethe Schwabe, Elsa Eberhardt und Nachkommen

Nachdem das Schlösschen 1945 zerstört wurde, wohnte Margarete Schwabe mit der Haushälterin Elsa Eberhardt zunächst im Haus gegenüber in der Kirchstraße 38, im Aschrott´schen Weingut (das heutige Weingut Weinegg). Später zogen beide zur Familie Sommer in der Alleestraße 2 – mit Blick auf das Marktgelände am Weiher.[40] Sie pflegten weiterhin Kontakte zu den Kindern und Enkeln aus Ottos erster Ehe. Margarete Schwabe wurde 1972 an ihrem 100. Geburtstag zur Hochheimer Ehrenbürgerin ernannt. Sie starb 1974 mit 102 Jahren. Elsa Eberhardt starb 1992 mit 90 Jahren. Sie wurde im Grab von Otto und Margarete Schwabe beigesetzt, was verdeutlicht, wie eng sie mit der Familie Schwabe verbunden war.

      Der ältere Sohn Amtor wurde Architekt und Baurat. Er gehörte zu den Pionieren der Verwendung von Kunststoffen in der Architektur. Außerdem bemühte er sich bereits damals um die Erhaltung von Bäumen, indem er zum Beispiel ein Haus um einen Baum herum baute.[41] Mit seiner Frau Hilde Horn (1905–1965) hat er zwei Kinder Jürgen und Annelotte und sechs Enkel. Der jüngere Sohn Wolfgang wurde Bürgermeister in Lindenfels und SPD-Politiker. Seit 1961 war er sowie seit 1970 Mitglied des Europäischen Parlaments.Mitglied des Deutschen Bundestages und Regierungsdirektor.[42] Ab 1970 und bis zu seinem Tode war er Mitglied des Europäischen Parlaments. Mit seiner Frau Christiana Grewe (1921–2015) hat er einen Sohn Thomas und zwei Enkel.

Else Luthmer: Kinderbild Annelotte (Schwabe), ca. 1943, Öl auf Hartfaserplatte, mit Rahmen 40×33 cm, Privatbesitz Annelotte Schwabe, verheiratete Gerhardt. (Foto: Claudia Olbrych, 2025)

Else Luthmer[43]

Else wohnte seit der Trennung von Otto Schwabe in Frankfurt zunächst nur mit dem jüngeren Sohn Wolfgang. Nach der Scheidung 1924 zog auch Amtor zu ihr.[44] Da waren die Söhne 13 und 16 Jahre alt. Später, als sie studierten, zogen sie in eigene Wohnungen. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wohnte Else nur noch in Lindenfels. Sie malte weiterhin vor allem Blumen, Porträts und Landschaften. Vom Verkauf der Bilder konnte sie leben – mehr schlecht als recht, aber es reichte. Heute besitzen Else Luthmers Enkel viele Bilder von ihr, aber auch Museen in Frankfurt am Main, Mainz und Worms und Privatpersonen vor allem in Lindenfels.

Ehrungen

  • Otto-Schwabe-Heimatmuseum in Hochheim
  • Otto-Schwabe-Straße in Hochheim
  • Otto-Schwabe-Ruhe in der Flörsheimer Gemarkung am Wickerer Weinweg

Literatur

  • Amtor Schwabe: Einige Lebenserinnerungen, 1986. Heft im Besitz von Prof. Dr. Jürgen Schwabe, Buxtehude.
  • Historischer Verein Hochheim am Main e.V. (Hrsg.): Hochheimer Spiegel Nr. 7, Von der Hochheimer Vorgeschichte über das letzte Jahrtausend von gestern bis heute. Hochheim 2008, ISBN 0937-4965.
  • Historischer Verein Hochheim am Main e.V. (Hrsg.): Hochheimer Spiegel Nr. 8, 25 Jahre Historischer Verein Hochheim am Main. Hochheim 2009, ISSN 0973-4965.
  • Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen, Hessische Biografie. URL: https://www.lagis-hessen.de/pnd/129586595. Abgerufen am 27.7.2025.
  • Zeitzeugenaussagen von Thomas Schwabe 2025.

[1] Der Text bezieht seine Informationen hauptsächlich aus: Amtor Schwabe: Einige Lebenserinnerungen, 1986, S. 2–6. Heft im Besitz von Prof. Dr. Jürgen Schwabe, Buxtehude.

[2] Mutter: Laura Babette Fuchs (* 26.5.1850 Untermaßfeld/Meiningen, † 22.4.1918 München), Vater: Friedrich Emil Schwabe (* 9.11.1847 Themar, † 15.11.1911 Meiningen), Bruder: Ludwig Wilhelm Max Schwabe (* 14.2.1873 Meiningen, † 8.1.1951 Ansbach).

[3] Karl Möbus und Harald M. Schmidlin: Otto Schwabe zum Gedenken. In: Historischer Verein Hochheim am Main e. V. (Hrsg.): Hochheimer Spiegel, 25 Jahre, Nr. 8, Hochheim 2009, ISSN 0973-4965, S. 2.

[4] Else Luthmer (* 23.5.1880 Frankfurt am Main, † 12.6.1961 Lindenfels) studierte 1901–1902 in Paris Kunst an der Académie Julian und Académie Cormon.

[5] Freundliche Mitteilung von Thomas Schwabe, Frankfurt, am 27.9.2025.

[6] Charles Camoin, französischer Maler des Fauvismus, 1879–1965. Maurice de Vlaminck, französischer Maler des Fauvismus, 1876–1958. Das Ölbild „Flussszene“ kaufte die Familie Schwabe vermutlich direkt von Vlamincks Söhnen.

[7] Amtor Schwabe: Einige Lebenserinnerungen 1907–1956, 1986. Heft im Besitz von Prof. Dr. Jürgen Schwabe, Buxtehude, S. 2.

[8] Nach 1947 sinkt der Wasserspiegel des Sees und das Becken wird mit Bauschutt aufgefüllt. Den See gibt es nicht mehr und nur noch der Straßenname Am Weiher erinnert an ihn. Auf dem Weihergelände findet auch heute noch der Hochheimer Markt statt, immer am Wochenende nach Allerseelen (2. November).

[9] In der Jahnstraße 2 gibt es heute noch die Jahnturnhalle und die Turngemeinde Hochheim am Main 1845 e.V.

[10] Zum Domdechaneihof gehören das Schlösschen und etliche Nebengebäude wie Eiskeller, Kelterhäuser, Pferdestall, Wohnhaus und Zehntscheuer.

[11] Laut eines Zeitzeugengesprächs mit Irmgard Dries am 13. August 2025 war Elsa Eberhardt (1901 Auringen? – 1992 Hochheim) ein Findelkind ohne eigene Familie.

[12] Fürstin Caroline Friederike von Anhalt-Köthen war die Tochter des nassauischen Herzogs Friedrich August von Nassau-Usingen (1738–1816) und seiner Gemahlin Luise von Waldeck (1751–1817). Sie heiratete 1792 den Fürsten August Christian von Anhalt-Köthen (1769–1812). Die Ehe blieb kinderlos und wurde 1803 geschieden.

[13] Hessischer Landtag: Antrag der Landesregierung betreffend Veräußerung der landeseigenen Liegenschaft in Hochheim, Kirchstraße 21 (ehemaliges Amtsgericht), 22.8.2006, https://starweb.hessen.de/cache/DRS/16/6/05896.pdf. Abgerufen am 26.7.2025.

[14] Karl Möbus: Otto Schwabe zum Gedenken. In: Historischer Verein Hochheim am Main e. V. (Hrsg.): Hochheimer Spiegel Nr. 8, 2009, ISBN 0973-4965, S. 2.

[15] Karl Möbus: Otto Schwabe zum Gedenken. In: Historischer Verein Hochheim am Main e. V. (Hrsg.): Hochheimer Spiegel Nr. 8, 2009, ISBN 0973-4965, S. 2.

[16] Joachim Dittmann: Otto Schwabe. Seine Bedeutung als Heimatforscher für Hochheim. In: Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim (Hrsg,): Hochheim am Main. Beiträge zu seiner Geschichte und Heimatkunde. Heft 1, Hochheim 1978, S. 6 und 7.

[17] Joachim Dittmann: Otto Schwabe. Seine Bedeutung als Heimatfoscher für Hochheim. In: Arbeitsgemeinschaft Alt Hochheim (Hrsg.): Hochheim am Main. Beiträge zu seiner Geschichte und Heimatkunde, Heft 1, Hochheim am Main 1978, S. 6 und 7.

[18] Anroden bezeichnet das Entfernen von Drähten, Pfosten, Trieben, Wurzeln und das Auflockern des Bodens zur Vorbereitung einer neuen Bepflanzung.

[19] Alexander Hartmann: Damals vor 2.500 Jahren am Wickerbach und am Main. 24. Januar 2020. URL: https://weinstadtjournal.de/damals-vor-2-500-jahren-am-wickerbach-und-am-main/. Abgerufen am 15.9.2025.

[20] Alexander Hartmann: Damals vor 2.500 Jahren am Wickerbach und am Main. 24. Januar 2020. URL: https://weinstadtjournal.de/damals-vor-2-500-jahren-am-wickerbach-und-am-main/. Abgerufen am 15.9.2025.

[21] Alexander Hartmann: Hochheimer Keltenspiegel bald in 3D zu sehen. In: Weinstadtjournal, 29. Oktober 2021. URL: https://weinstadtjournal.de/hochheimer-keltenspiegel-bald-in-3d-zu-sehen/. Abgerufen am 19. Oktober 2025.

[22] Das Gebäude der Volksschule wurde 1864 erbaut. Heute ist hier die Weinberg-Grundschule untergebracht. Es bleibt unklar, wie lange Amtor und Wolfgang die Volksschule besuchten. Amtor spricht in seinen Erinnerungen von nur zwei Jahren. In: Amtor Schwabe: Einige Lebenserinnerungen 1907–1956, 1986. Heft im Besitz von Prof. Dr. Jürgen Schwabe, Buxtehude, S. 5.

[23] Heute befindet sich in dem Gebäude das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen.

[24] Amtor Schwabe: Einige Lebenserinnerungen 1907–1956, 1986. Heft im Besitz von Prof. Dr. Jürgen Schwabe, Buxtehude, S. 5.

[25] Amtor Schwabe: Einige Lebenserinnerungen 1907–1956, 1986. Heft im Besitz von Prof. Dr. Jürgen Schwabe, Buxtehude, S. 1–66.

[26] Amtor Schwabe: Einige Lebenserinnerungen 1907–1956, 1986. Heft im Besitz von Prof. Dr. Jürgen Schwabe, Buxtehude, S. 11.

[27] Amtor Schwabe: Einige Lebenserinnerungen 1907–1956, 1986. Heft im Besitz von Prof. Dr. Jürgen Schwabe, Buxtehude, S. 6.

[28] Ferdinand Luthmer, Else Luthmers Vater, hatte 1902 in Lindenfels im Odenwald, am Schlossberg im Schlosswaldweg 2 (heute Nr. 29), eine Villa gebaut. Sie diente der Familie als Ferien- und Sommerhaus. Ab 1939 wohnte Else Luthmer dort dauerhaft.

[29] Bei einer Hochtonschwerhörigkeit hört man hohe Töne weniger gut. Das betrifft vor allem die Wahrnehmung von Frauenstimmen, Vogelgezwitscher oder Zischlauten. Ursache können u. a. Explosionen oder Schüsse sein.

[30] Joachim Dittmann: Otto Schwabe. Seine Bedeutung als Heimatfoscher für Hochheim. In: Arbeitsgemeinschaft Alt Hochheim (Hrsg.): Hochheim am Main. Beiträge zu seiner Geschichte und Heimatkunde, Heft 1, Hochheim am Main 1978, S. 7.

[31] Amtor Schwabe: Einige Lebenserinnerungen 1907–1956, 1986. Heft im Besitz von Prof. Dr. Jürgen Schwabe, Buxtehude, S. 12.

[32] Margarete Petzold (1872–1974) war die Schwester von Elise Petzold (1876– ?), der Ehefrau von Max Schwabe (1873–1951), dem älteren Bruder von Otto Schwabe.

[33] Freundliche Mitteilung von Annelotte Gerhardt (geborene Schwabe), Bonn – Bad Godesberg, am 28.9.2025.

[34] Rainald Brodeck, Ehrenfried Schnebel: Anstelle einer Einleitung. In: Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim (Hrsg,): Hochheim am Main. Beiträge zu seiner Geschichte und Heimatkunde. Heft 1, Hochheim 1978, S. 3.

[35] Wilhelm Joseph Schäfer: Die Hochheimer Museen. In: Historischer Verein Hochheim am Main e. V. (Hrsg.): Hochheimer Spiegel Nr. 8, 2009, ISBN 0973-4965, S. 26.

[36] Karl Möbus: Otto Schwabe zum Gedenken. In: Historischer Verein Hochheim am Main e. V. (Hrsg.): Hochheimer Spiegel Nr. 8, Hochheim am Main 2009, ISBN 0973-4965, S. 2–4, 6. Und: Otto Schwabe: Bronzespiegel und Flasche der Frühlatènezeit von Hochheim am Main. Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim (Hrsg.): Hochheim am Main. Beiträge zu seiner Geschichte und Heimatkunde, Heft 1, Hochheim am Main 1978, S. 9.

[37] Karl Möbus: Otto Schwabe zum Gedenken. In: Historischer Verein Hochheim am Main e. V. (Hrsg.): Hochheimer Spiegel Nr. 8, Hochheim am Main 2009, ISBN 0973-4965, S. 5.

[38] Kulturregion FrankfurtRheinMain GmbH (Hrsg.): Otto-Schwabe-Heimatmuseum, 2025 URL: https://www.krfrm.de/venue/otto-schwabe-heimatmuseum/. Abgerufen am 7. August 2025.

[39] Freundliche Mitteilung von Herrn Klaus Schmikl, Hochheim am Main, am 18. Oktober 2025.

[40] VRM GmbH & Co. KG (Hrsg.), Gabriele Nick: „Onkel Amtsrichter“ und „Tante Elsa“. Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim. Neue Erinnerungen an Otto Schwabe. Hochheimer Zeitung, Freitag, 22. August 2025, S. 15, Lokales.

[41] Freundliche Mitteilung von Annelotte Gerhardt (geb. Schwabe), Bonn – Bad Godesberg, am 28. Juni 2025.

[42] Dipl. Ing. Amtor Schwabe: * 4.8.1907 Frankfurt am Main, † 29.4.1988 Darmstadt. Wolfgang Schwabe: * 12.10.1910 Frankfurt am Main; † 4.1.1978 Dietzenbach, beerdigt in Lindenfels.

[43] Das mittlere Bild mit Text in Deutscher Schreibschrift ist eine Seite des Buches Das Buch von Lindenfels. Else Luthmer hat es 1939 für ihren zweijährigen Enkel Jürgen Schwabe gestaltet. Text: Hoch in den Bergen steht ein Haus, / die Oma guckt zum Fenster raus / und denkt: „Ob nicht mein Jockel bald / Mich mal besucht im Odenwald? / Dort gibt es viele schöne Sachen, / die kleinen Jungen Freude machen:

[44] Im Unterschied zur Darstellung von Amtor Schwabe in seinen Lebenserinnerungen berichtet Irmgard Dries, die beiden Söhne wären beim Vater geblieben. Amtor berichtet begeistert von seinem Griechisch-Unterricht am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium (heute Freiherr-vom-Stein-Schule) in der Schweizer Straße 87 in Frankfurt-Sachsenhausen. So ist anzunehmen, dass die Söhne bei der Mutter wohnten und vermutlich in den Ferien beim Vater wohnten. – Die Eltern von Irmgard Dries, Sophie und Valentin Kopp waren enge Freunde von Otto Schwabe. Quellen: Amtor Schwabe: Einige Lebenserinnerungen 1907–1956, 1986. Heft im Besitz von Prof. Dr. Jürgen Schwabe, Buxtehude, S. 6. Und: VRM GmbH & Co. KG (Hrsg.), Gabriele Nick: „Onkel Amtsrichter“ und „Tante Elsa“. Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim. Neue Erinnerungen an Otto Schwabe. Hochheimer Zeitung, Freitag, 22. August 2025, S. 15, Lokales.