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Ein wahrhaft königlicher Mantel

Hermelinverbrämter Umhang des Sitzungspräsidenten der Prinzeß-Margot-Garde Dr. Karl Lembach

Objekt des Monats Februar 2026

von Gabi Nick

Viele Hochheimer erinnern sich noch gut an die legendäre Prinzeß-Margot-Garde. Gegründet wurde sie am 11.11.1949 – in den schweren Zeiten des Wiederaufbaus, in der Frohsinn und Gemeinschaft besonders wertvoll waren. Mit der Krönung von Margot Lembach zur „1. Faschingskönigin der Weinstadt Hochheim“ wurde die „Prinzeß Margot I.-Garde“ (kurz: PMG) ins Leben gerufen, die ihre ersten Auftritte beim Hochheimer Carnevalsverein (HCV) hatte. Initiator und Ideengeber war der Ehemann der Prinzeß, Dr. Karl Lembach. Motto der Garde war „Fröhlichkeit ist die Sonne des Lebens.“

Die Prinzeß-Margot-Garde (Foto Archiv AAH)
Dr. Karl Lembach (re.) im Ornat (Foto: Archiv AAH)

Was zunächst als Familiengarde begann, wuchs bis zum kompletten Hofstaat an: Margot Lembach war die Kommandeuse der Garde, ihr Mann Dr. Karl Lembach, der aus der Karnevals-Hochburg Köln stammte, war „Chef des Staatskabinetts“ und Sitzungspräsident. Die acht Kinder der Lembachs engagierten sich als Gardisten, Tanzmariechen und hatten noch weitere Ämter im närrischen Tanz- und Kadettenkorps.

Anfangs bestand die Garde nur aus einer Standarte, einem Fahnenträger und einigen Flötisten, Fanfaren und Trommlern. Doch durch unermüdlichen Einsatz der folgenden Jahre entwickelte sich die PMG mit ihrem Spielmann- und Fanfarenzug bis zum eingetragenen Verein. 1953 begleitete sie erstmals musikalisch die Sitzung der Mainzer Prinzengarde, deren fester musikalischer Bestandteil sie seit 1967 ist. 1956 wurde sie gar zur Leibgarde der Stadt Frankfurt proklamiert. Der Spielmanns- und Fanfarenzug zählte zu den erfolgreichsten im Rhein-Main-Gebiet. Von Köln bis in die Schweiz waren die Garde und ihre Musikanten bekannt – auch in Funk und Fernsehen wurden sie populär.

Zum Hofstaat gehörten nicht nur die Verbindungen des „diplomatischen Korps“ mit den karnevalistischen Hochburgen Deutschlands und der Schweiz, sondern auch ein ausgeprägter innerer Aufbau: Es gab eine eigene Zeitung während der närrischen Kampagne. Die Kostüme für jede neue Saison wurden in eigener Regie der Familien-Garde entworfen und hergestellt. Dazu gehörte auch der prächtige Mantel des Sitzungspräsidenten Dr. Karl Lembach, der mit Hermelin besetzt ist.

Beate Preis im Mantel (Foto G.Nick)

Der plötzliche Unfalltod von Dr. Karl Lembach im Jahr 1964 bedeutet auch das Ende der Prinzeß-Margot-Garde. Der Spielmanns- und Fanfarenzug lebt erfolgreich bis heute im Hochheimer Blasorchester fort.

Nur wenige wussten um das Schicksal des prunkvollen Mantels: Er fand viele Jahre mit prächtiger Bischofsmütze und Stab als Nikolauskostüm eine würdige Zweitverwendung. Im vergangenen Jahr wurde das gute Stück Heinz Schlosser und Beate Preis zur weiteren ehrenvollen Nutzung für den Nikolaus anvertraut.

Die Arbeitsgemeinschaft Alt-Hochheim freut sich, dass dieses besondere Stück karnevalistischer Geschichte unseres Heimatstädtchens auf diese Weise weiterleben kann. Mehr zur Prinzeß-Margot-Garde kann man beim nächsten Vortrag der AAH am 17.3.26, 19 Uhr im Weingut Klosterhof hören. Ankündigung erfolgt in dieser Zeitung.

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