Objekt des Monats Mai 2026: Gedenkmedaille des Grafen Zeppelin
von Gabi Nick


Eine Medaille, geprägt 1908 aus den Resten des Luftschiffs Z 4 des Grafen Zeppelin (LZ 4), befindet sich im Besitz von Udo Möller. Was hat Ferdinand Graf von Zeppelin mit Hochheim zu tun?

Nun, der Erfinder der „Starrluftschiffe“ schätzte die Sekte der Hochheimer Firma Burgeff außerordentlich. 1903, als Graf Zeppelin als Ehrengast an einem Kongress in Konstanz teilnahm, bat er darum, von der vorgeschriebenen Weinfolge beim Festmahl abweichen zu dürfen, um beim Burgeff bleiben zu können. „Burgeff erhält mir die geistige Beweglichkeit, erregt nicht, sondern regt an, ermuntert, erhöht die schöpferische Kraft und Freude“, begründet er seine Vorliebe für den Hochheimer Sekt. Eine Weinkarte aus dem Luftschiff LZ 13 Hansa befindet sich ebenfalls im Besitz von Udo Möller. Unter den „Champagnern“ sind G.H. Mumm, Cordon Rouge (Très sec) und Burgeff Extra Cuvée aufgeführt.

Die Firma Burgeff gilt als die älteste rheinische Sektkellerei, die auf dem Wissen und Können von Ignaz Schweickardt gründete, der 1832 den ersten Schaumwein („Mussie“) in Hochheim herstellte. Schon bald stiegen die Brüder Burgeff in seine Firma ein, die rasch expandierte. 1857 schied Schweickard aus der Firma aus, Carl Burgeff führt die Sektkellerei bis zu seinem Tod 1871 weiter. Da es keine Nachfolger aus der Familie gab, die sein Lebenswerk hätten weiterführen können, übernahm als äußerst begabter Prokurist und Weinkenner Hermann Joseph Hummel die Geschäfte, die am Aufschwung der Gründerjahre teilnahmen. Verschiedene Hausmarken der Burgeff-Sekte wurden kreiiert – am bekanntesten ist „Burgeff Grün“. 1897 wurden eine Million Flaschen Sekt verkauft (von 6 Millionen im gesamten Deutschen Reich). Die Aktienkurse stiegen bis 1907 auf 470% Dividende. Mit dem Erfolg einher wurden die Räumlichkeiten am heutigen Geheimrat-Hummel-Platz (heute Weingut Künstler) ausgebaut: 1887 Neubau des „Comptoir“ mit Nebenkeller, 1891 die offene Flaschenhalle mit Keller und 1896-1897 ein großer Hallenbau mit Kellern. Es gab eine firmeneigene Stromerzeugung und einen eigenen Wasserturm (heute gehört er zum Antoniushaus), noch bevor die Stadt Hochheim solches aufzuweisen hatte.



Bald stand ein weiterer neuer Kellerbau an, für den Graf Zeppelin bereit war, die Patenschaft zu übernehmen: Der erste Abschnitt des aus Eisenbeton hergestellten Baus war 1907 fertiggestellt und umfasst drei Stockwerke unter und zwei über der Erde. Zum Abtransport des Aushubs wurde eigens eine kleine Bahnstrecke angelegt. Änne Gottwald, deren Elternhaus an der Nordseite des Weihergeländes stand, berichtete, dass der Aushub des Zeppelinkellers mit einer Dampfbahn zum Weihergelände gefahren wurde und später wieder zurückgebracht werden sollte. Da jedoch durch den Bau weniger Erde zum Auffüllen benötigt wurde, verwendete man den Überschuss zum Ausgleichen des Bodens am Weiher.
Für die Einweihungsfeier des ersten Bauabschnitts 1907 lud das Haus Burgeff 1200 Kunden und Freunde zu einer dreitägigen Feier ein, bei der 4.748 Flaschen Burgeff-Sekt getrunken wurden.

Anlässlich der Einweihung der endgültigen Fertigstellung des Baus mit der neuen Degorgierhalle („Zeppelin-Halle“) am 4. August 1908 hatte der Schirmherr und Namenspate Graf Zeppelin seine persönliche Anwesenheit zugesagt. Mit dem Luftschiff Z 4 aus Friedrichshafen kommend wollte er zudem dem Militär beweisen, dass Luftschiffe für längere Strecken geeignet und damit kriegstauglich waren. Er kam bei der Jungfernfahrt aber nur bis zum Kornsand, einem Ortsteil von Trebur, und musste hier, gegenüber von Nierstein an Rheinkilometer 480, notlanden, da der Antriebsmotor defekt war. Ein Schlosser aus Geinsheim reparierte den Motor, und mit Hilfe einheimischer Bauern wurde das Gewicht um 1270 kg erleichtert, sodass Zeppelin die Fahrt fortsetzen konnte. Da es mittlerweile Nacht geworden war, fuhr Graf Zeppelin mit dem Luftschiff direkt nach Mainz-Finthen und nicht mehr nach Hochheim. Am Kornsand steht zur Erinnerung der Landung heute noch ein Gedenkstein.

Am nächsten Morgen nach einer Ehrenrunde über Mainz und Hochheim, ging es zurück nach Friedrichshafen. Ein zeitgenössischer Maler hat den Zeppelin über Hochheim von der Schleuse in Gustavsburg aus gesehen im Bild festgehalten: neben dem Dampfschiff „Wilhelm“ und der Dampflok ist im Hintergrund schwebend ein weiteres Wunder der damals modernen Fortbewegungstechnik zu bestaunen.
Zeppelin erreichte nur Echterdingen, der Motor fiel wieder aus. Durch ein schweres Gewitter wurde das Luftschiff nachts aus seiner Verankerung gerissen, verfing sich in einem Baum und ging in Flammen auf. Es folgte ein spontaner Aufruf an die deutsche Bevölkerung den Grafen zu unterstützen, der vor dem Bankrott stand. Die Sammlung brachte über 4 Mio. Reichsmark ein, selbst Kaiser Wilhelm II. spendete. Die „Zeppelin-Spende“ ermöglicht es, die Luftschiffbau Zeppelin GmbH und eine Zeppelin-Stiftung zu gründen und damit das Projekt endlich finanziell zu sichern. Graf Zeppelin bezeichnete deshalb später den 5. August 1908 als „die Geburtsstunde der nationalen Luftschifffahrt in Deutschland“. Aus den Resten des Luftschiffes Z 4 wurde die Gedenkmedaille geprägt.
Ein kleines Stück Hochheimer und deutsche Geschichte steckt in dieser kleinen Medaille – auch wenn Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff nicht in Hochheim landete…
